AFBMC 2016: Social Media, quo vadis?

18. März 2016

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Cat Content, Snapchat und jeden Tag das gleiche Foto von Jim Carrey – was passiert, wenn die User bestimmen dürfen, welche Inhalte ihnen auf Social Media-Kanälen angezeigt werden? Die AllFacebook Conference 2016 in München wagt einen Ausblick in die Zukunft.

Millenials, also die Menschen, die um das Jahr 2000 Teenager waren, bestimmen die Social Media- Welt. Ein Tag ohne WhatsApp, Facebook oder Snapchat ist für sie unvorstellbar. Die Käufergruppe ist heiß begehrt bei den Werbetreibenden. Laut einer aktuellen Studie investieren Marketer mehr als 500 Prozent mehr in Millenials als in jede andere Zielgruppe. Doch welche Inhalte begeistern die neue Generation von Social Media Nutzern?

Die AFBMC versucht, Antworten auf diese Frage zu geben. Dabei wird schnell klar, dass auch die Vortragenden nur Vermutungen treffen können. Keiner weiß so recht, wohin der Weg führt. Die Onlinewelt ist schnelllebig und verändert sich täglich. Wer die User langweilt, hat den Anschluss verpasst. Deshalb gibt es nur eine Strategie: Mutig sein, Neues ausprobieren und trotzdem authentisch bleiben. Fehler sind erlaubt. Nur eines ist verboten: Aufgeben!

Wie Cat Content die Medienlandschaft verändert

Nicolas Graf von Kanitz und Stephan Eyl von Facebook Karma bringen es mit ihrer Präsentation „Never give up, never surrender!“ auf den Punkt: In einem Live-Experiment machen sie eindrucksvoll deutlich, wohin sich die Medienlandschaft entwickelt. Sie fragen die Zuschauer: Wenn Sie die Wahl hätten, wofür würden Sie sich entscheiden – Cat Content oder informelle Nachrichten?

Ein Blick auf die Auswertung des Newsfeed offenbart die Realität: Belanglose Posts führen die Hitlisten an. Seriöse Fanpages wie die Tagesschau oder die Frankfurter Allgemeine Zeitung haben das Nachsehen und müssen sich hinter Pages von scheinbar Unbekannten wie dem Justin Bieber-Imitat „Robin Wick“ oder der Beauty-Bloggerin „Bibi“ einreihen. Sogar die Seite „The same photo of Jim Carrey every day“, deren Inhalt tatsächlich darin besteht, jeden Tag das identische Foto des Schauspielers zu posten, übertrifft die Interaktion der meisten Nachrichtenseiten um Längen. Das bedeutet wiederum, die Reichweite informativer Nachrichten stürzt noch weiter ab und sie verschwinden aus den Timelines. Ein wahres Dilemma! Bei dem Gedanken kann einem schon ein bisschen mulmig werden. Vor allem weil Facebook sich immer mehr als Nachrichtenmedium etabliert:

„Our goal is to build the perfect personalized newspaper for every person in the world.”

-Mark Zuckerberg-

Instant Articles: Die Angst vor dem Kontrollverlust 

Einen großer Schritt in Richtung News-Seite steht für Facebook in Deutschland am 12. April 2016 an. Dann nämlich startet Instant Articles. Hendrik Luehrsen, Gründer der Agentur Luehrsen //Heinrich, zeigt in seinem Vortrag die Vor- und Nachteile von Instant Articles auf.

Seitenbetreiber können damit Ihre Artikel direkt in der App präsentieren. Die Pluspunkte für den User: Die Ladezeiten sind schnell, die Usability ist einheitlich, das Leseerlebnis enorm. Die Publisher sollen von mehr Reichweite profitieren. Allerdings verlieren sie auch die Hoheit über ihre Inhalte. Den größten Nutzen hat Facebook selbst, denn die User verlassen die App nicht mehr, indem Sie auf einen Link klicken. Das hat zur Folge, dass die Verweildauer in die Höhe schnellt. Facebook hat also noch mehr Zeit, Informationen von seinen Usern abzugreifen. Eine nicht ganz unbedenkliche Entwicklung, die nicht nur Verlagshäuser bedrohlich finden.

Jeden Tag Pionier sein 

Reichweite ist die Währung der Social Media-Plattformen. Um diese zu erreichen und zum Digital Leader aufzusteigen, reicht nicht nur ein guter Case, sagt Christopher Rohs, Geschäftsführer der Hamburger Agentur elbdudler. Klar redet jeder über eine #Heimkommen-Kampagne von Edeka, doch das sichert nicht den langfristigen Erfolg. Es gilt  jeden Tag aufs Neue die Nutzererwartung zu übertreffen. Nützlich, um die Qualität der Inhalte zu checken ist, das RSRS Prinzip:

  • Relateable: Der User soll sich mit dem Content identifizieren.
  • Shareable: Der Nutzer soll die Inhalte freiwillig teilen wollen.
  • Remarkable: Die Inhalte müssen außergewöhnlich sein und aus der Masse hervorstechen.
  • Suitable: Der Content muss geeignet für das jeweilige Medium sein.

Ziel ist es, der richtigen Person die richtigen Inhalte im richtigen Moment auszuspielen.

Hier sind sich alle Vortragenden der AFBMC einig: Es geht darum, die heile Markenwelt zu verlassen und Experimente auszuprobieren – sei es beim Targeting, also zum Beispiel bei der Auswahl von Zielgruppen, oder bei der Arbeit mit Influencern. Jetzt ist die Zeit, neue Plattformen wie Snapchat, MSQRD oder Peach zu testen. Hier verstecken sich die viel umworbenen Millenials und hier gibt es noch Nischen zu besetzen. Ein Marketer der sagt, er verstehe Snapchat nicht, sollte sich schleunigst damit vertraut machen – oder er hat den falschen Job. Er muss den Kanal ja nicht nutzen, wenn er nicht will. Die App entlarvt sowieso jeden, der keinen Bock darauf hat:

Das Credo der AFBMC 2016

Heben Sie sich ab vom Einheitsbrei! Haben Sie eine Strategie, um sie zu brechen. Nur dann steigen Sie in das nächste Level des Social Media-Marketings auf! Trotzdem am Ende noch ein Wunsch: Übernehmen Sie auch Verantwortung! Wir alle gehören zu einer Community im Netz und können selbst bestimmen, welche Inhalte uns in Zukunft angezeigt werden. Also, geben Sie vielleicht einfach selbst mal einem informativen Post eine Chance und liken sie ihn. Das sorgt für mehr Abwechslung. Schließlich gibt es von den niedlichen Katzenvideos schon genug im Newsfeed, oder?

Bildquelle: © Ippen Digital Media

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Martina Babl

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