In eigener Sache: Was mich ärgert

12. November 2015

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Ich ärgere mich. Ich ärgere mich darüber, dass alle Welt erklärt, wie wichtig Content ist, wie unverzichtbar und überlebensnotwendig für moderne Unternehmen. Und gleichzeitig wird Content so gering geschätzt wie ein Popel.

Heute erreicht mich eine Bewerbung. Darüber freue ich mich, denn wir suchen bestens ausgebildete Online-Redakteure und Content Marketer.

Unsere Stellenausschreibung ist eindeutig: Die Bewerber sollen bitte eine journalistische Ausbildung haben und schon einige Jahre als Online-Redakteur oder Online-Marketer gearbeitet haben. Sie sollten wissen, was Storytelling ist, SEO-Erfahrung mitbringen, Content Management Systeme kennen, mit Photoshop umgehen, und, und, und.

Und dann lese ich die Bewerbung eines Webdesigners. Zugegeben, er kann mit Photoshop umgehen. Und das wahrscheinlich richtig gut. Er kann Websites bauen und für eine gute Usability sorgen – Applaus, Applaus! Das ist alles wunderbar.

Nur eines hat er nicht: Erfahrung mit Content. Kein Volontariat, keine Mitarbeit in einer Redaktion – nichts. Bei uns möchte er nicht nur Content Marketer werden, sondern Senior Content Marketer.

Content-Kings fallen NICHT vom Himmel – und auch NICHT aus der Schülerzeitung

Das ist kein Einzelfall. Menschen fühlen sich befähigt, weil sie mal bei einer Schülerzeitung mitgearbeitet haben. Oder Germanistik studiert. Oder bei der Lokalzeitung ein paar Monate mitgearbeitet. Sie sind Social Media Experten, weil sie diese Plattformen selber nutzen. Und das jeden Tag! Sie sind Content-Experten, weil sie ihre Magisterarbeit geschrieben haben – mit 120 Seiten. Ja irre.

Manche haben lange, lange in Print-Redaktionen gearbeitet. Sind das die Profis? Immerhin sind sie meist gut ausgebildet. Im Gespräch höre ich dann sowas: „SEO ist doch scheiße“ und „Ist SEO nicht das mit den Keywords?“, „Storytelling, äähhh…“.

Leute, so geht das nicht. Ich will solche Bewerbungen nicht haben, nicht lesen und keine Zeit damit verschwenden. Ich will mit Profis arbeiten.

NEIN zu Billigheimern: Content kostet Zeit und Geld

Erschreckend ist, dass diese Bewerber irgendwo einen Job bekommen werden. Und dann schreiben. Sie setzen Wort an Wort und Satz an Satz. Das ist nicht schwer. Aber eine zielgruppengerechte, relevante, sichtbare, wunderbare Geschichte zu schreiben – eingebettet in eine Strategie, die mit den Unternehmenszielen korreliert – das ist etwas ganz anderes. Das ist anspruchsvoll. Das kostet Zeit. Das kostet Geld.

Ist es aber bei dieser Entwicklung ein Wunder, dass Unternehmen Content so gering schätzen und nicht dafür bezahlen?

„20 Euro für einen Ratgeber – bitte SEO-optimiert – das muss doch reichen. Oder brauchen Sie etwa länger als eine halbe Stunde?“ Ja, stellen Sie sich vor, wir brauchen länger. Und das ist gut so. Professioneller Content kann Zielgruppen bewegen, Brands aufwerten, Technisches sichtbar machen, Bewerber rekrutieren, überraschen, begeistern, berühren. Guter Content ist die Basis jeden Verständnisses. Das sollte es jedem wert sein – Bewerbern genauso, wie so manchem Unternehmen.

Ein paar versöhnliche Worte zum Schluss: Natürlich gibt es viele Unternehmen, die wissen, was Content wert ist und entsprechend handeln. Da wird die Zusammenarbeit zum Vergnügen. Und natürlich gibt es die Experten, die kreativen Content Marketer und gut ausgebildeten Online-Redakteure. Einige von Ihnen sind zum Glück bei uns.

Bildquelle: © Ryan McGuire, pexels

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Petra Meyer

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