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Energy Basel: Gefährliche 100-Millionen-Aktion

6. November 2015

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Was für eine geile Marketing-Idee: 100 Millionen Euro will der Radiosender Energy Basel mit seinen Facebook-Fans teilen – vorausgesetzt Moderator Dominique Heller knackt heute den EUROMILLIONS Jackpot. Die Aktion schlägt ein: Innerhalb weniger Stunden haben mehr als 180.000 User den Post geliked, mehr als 18.000-mal wurde er geteilt. Woran der Sender nicht gedacht hat: Mit seiner Social Media-Aktion verstößt er mehrfach gegen die Gewinnspiel-Richtlinien von Facebook.

Der Facebook-Post zeigt das Bild von Moderator Dominique Heller. In seiner Hand hält er den Lottoschein für den heutigen 100 Millionen-Gewinn. Darunter der kurze Text:
„Dominique Heller will die 100 Millionen nicht! Falls er heute den EUROMILLIONS Jackpot gewinnt, teilt er die 100 Millionen mit allen, die den Post geliked, geteilt oder kommentiert haben!“

© Screenshot: Facebook – Fanpage Radio Energy Basel

© Screenshot: Facebook – Fanpage Radio Energy Basel

Promotion-Richtlinie: rechtliche Stolperfalle beim Facebook-Marketing

Es könnte so einfach sein: Ein 100-Millionen-Euro Gewinn, tausende Fans auf Facebook – und eine Marketing-Kampagne, die alle Rekorde an Fan-Interaktionen bricht. Wäre da nicht diese kleine aber feine „Nebensächlichkeit“ mit dem Namen Promotion-Guidelines für Facebook.

Und genau dagegen verstößt Radio Energy Basel. Gefährlich! Denn nicht nur Facebook könnte dem Sender den Hahn abdrehen. Radio Energy kann wegen seines rechtswidrigen Gewinnspiels auch von Wettbewerbern abgemahnt werden – und dann wird aus dem viralen Lauffeuer ein rechtlicher Flächenbrand.

Aber was hat der Sender eigentlich falsch gemacht? Ganz einfach:

  • Es fehlen exakte Teilnahmebedingungen. Zum Beispiel ist nicht geregelt, wann das Gewinnspiel BEGINNT und ENDET, wann das Geld wie zu den Gewinnern kommt und wie diese Gewinner überhaupt benachrichtigt werden. Fanpages dürfen Nutzer nämlich nicht über private Nachrichten kontaktieren – das fällt unter die Kategorie abmahnfähiger Spam.
  • Es gibt keinen Facebook-Disclaimer – was konkret bedeutet: Es fehlt der Hinweis, dass Facebook selbst nichts mit dem erwähnten Gewinnspiel zu tun hat und auch nicht als Ansprechpartner zur Verfügung steht.
  • Ein Datenschutzhinweis ist nicht vorhanden – also ist nicht geregelt, was mit den gesammelten Daten passiert.
  • Persönliche Profile sind und bleiben tabu: Fans dürfen zwar dazu aufgefordert werden, einen Post zu liken oder zu kommentieren. Beim „Sharen“, wie es Radio Energy fordert, sieht das jedoch anders aus: Chroniken der User für Gewinnspiele einzusetzen, ist laut Facebook verboten.

Das gefährliche Marketing-Spiel von Radio Energy Basel zeigt: Social Media Gewinnspiele sind kein Spaziergang. Wer auf Facebook Marketing setzt, muss die rechtlichen Stolpersteine kennen. Das ist elementar für Ihre Facebook-Strategie – ohne die es nicht geht!

Was wir jetzt machen? Wir drücken dem Sender die Daumen, dass sein Gewinnspiel keinen Rattenschwanz an unangenehmen Konsequenzen nach sich zieht. Und hoffen, dass Dominique Heller nicht gewinnt.

Spielen wir den Fall mal weiter: Der Sender knackt den Jackpot. Nachdem es kein festes Ende für die Aktion gibt, könnten alle unbefristet mitmachen – und die Stimmung bei den Fans kippt. Denn wer bekommt nun wie viel vom Gewinn? Klar ist das Risiko gering, dass es soweit kommt. Aber es wäre nicht das erste Mal, dass der Shitstorm nach einer missglückten Marketing-Aktion in voller Härte auf die Pinnwand eines Unternehmens niederprasselt…

Übrigens: Wie aktuell das Thema ist, zeigt der gestrige Vortrag der Rechtsanwälte Thomas Schwenke und Dr. Carsten Ulbricht auf der AllFacebook Marketing Conference – einer Veranstaltung zum Thema Social Media in Deutschland. Passend dazu gibt’s einen tollen Artikel von Thomas Schwenke: Rechtliches 1×1: Die neuen Facebookregeln und gesetzlichen Vorgaben für Gewinnspiele auf Facebook.

Update:

Tja, so schnell kann es gehen: Bereits am Freitagabend war der 100-Millionen-Post von Radio Energy Basel schon wieder gelöscht. Entweder hat also Facebook dem bunten Treiben auf der Fanpage ein Ende gesetzt – oder die Macher haben den Rückzug angetreten.  Zumindest scheint der Sender glimpflich davongekommen zu sein:  Noch bleibt der Shitstorm der User aus…

Bildquelle: © wissanu99, iStockphoto

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Flora Anna Grass

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