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Facebook & Co.: Die große Langeweile

24. Juni 2016

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Knapp 49 Minuten pro Tag – so viel Zeit verbrachten US-Nutzer letztes Jahr im Schnitt auf Facebook. 2016 waren es im ersten Quartal nur noch 45 Minuten. Dieser Negativtrend zeigt sich auch in anderen Ländern – plattformübergreifend. Egal ob Instagram, Twitter oder Snapchat: Die Verweildauer der Nutzer von Social Media nimmt ab. Wir analysieren, was dahinter steckt.

Facebook und Konsorten: Not so social anymore

Hand aufs Herz: Wann haben Sie zuletzt etwas Persönliches auf Facebook gepostet? Ein Foto mit ihren Freunden vom Urlaub geteilt oder einen lustigen Spruch vom Kollegen? Es ist wahrscheinlich schon länger her. Denken Sie sich nichts dabei – damit sind Sie nicht alleine!

So wie Ihnen und vermutlich auch Ihren Freunden und Bekannten geht es vielen Nutzern von Social Media. Immer mehr Menschen erzählen, teilen und verbreiten auf Facebook und Co. seltener private Dinge. Das zeigt eine aktuelle Studie von SimilarWeb. Darin vergleichen die Macher in ausgewählten Ländern die Verweildauer in den populärsten Social Media-Apps Facebook, Twitter, Instagram und Snapchat vom ersten Quartal 2015 bis zum ersten Quartal 2016.

Social Media Verweildauer in den USA. Quelle: MobileGeeks

Social Media Verweildauer in den USA. Quelle: MobileGeeks

Das Ergebnis: Bis auf wenige Ausnahmen nimmt die Social Media-Nutzung länder- und plattformübergreifend ab – vor allem bei Facebook und Instagram. Bei Mark Zuckerbergs sozialem Netzwerk verwundert dieses Resultat. Ende 2015 zählte Facebook 1,55 Milliarden Nutzer weltweit – ein sattes Jahreswachstum von 14 Prozent. Auch der Umsatz entwickelt sich positiv.

Der Laden läuft also wie geschmiert und zumindest Deutschland gibt in diesem Kontext das unbeugsame gallische Dorf aus den Asterix & Obelix-Comics. Hierzulande hat sich die Nutzungsdauer im Jahresverlauf kaum verändert – anders als etwa in den USA oder Frankreich.

Zugegeben, im Vergleich zu der Konkurrenz steht das Zuckerberg-Imperium immer noch gut da, denn in keinem anderen sozialen Netzwerk ist die Verweildauer so hoch. Dennoch: Die Social Media-Nutzer sind von Facebook und Co. zunehmend gelangweilt.

Social Media-Verweildauer in Deutschland. Bildquelle: Mobile Geeks

Dislike: Social-satt durch News-Overkill

Woher kommt der gesenkte Daumen der Nutzer? Schauen Sie einfach selbst auf Ihre Facebook-Timeline: Statt persönlicher Lebensereignisse Ihrer Freunde dominieren im Newsfeed mehr oder weniger lustige, aber unpersönliche Beiträge – etwa Nachrichten, Werbung und natürlich Videos.

Die Zeiten, in denen Sie süße Kinder- und Haustierbilder Ihrer Kontakte bewundern konnten, sind vorbei. Facebook hat sich längst zu einer bedeutenden Nachrichtenquelle entwickelt und generiert dadurch einen regelrechten „Information Overload“. Das hat auch damit zu tun, dass der Facebook-Algorithmus Videoclips stärker gewichtet und „relevanten“ Content – etwa von etablierten Medienhäusern – häufiger im Newsfeed anzeigt.

Die permanente Reizüberflutung führt zu einer rapiden Sättigung:

  • Hoher Output an Inhalten von „gelikten“ bzw. abonnierten Fanpages
  • Häufige Einblendung von „Sponsored Posts“ und Empfehlungen
  • Videos, die mit Autoplay-Funktion für Unruhe im Newsfeed sorgen
  • Aufdringliche Facebook-Erinnerungen („Christof, weißt du noch vor zwei Jahren …“).

Auch in anderen Social Media-Kanälen sieht es nicht besser aus. Bei Twitter ist mittlerweile gefühlt jeder dritte Beitrag eine „Sponsored News“. Dazwischen tummeln sich im eigenen Feed – wie kann es anders sein – Empfehlungen für weitere „interessante“ Twitter-Accounts.

Das Risiko ist hoch, einen spannenden Tweet zu verpassen, da Sie im durchlaufenden Newsfeed schlecht erkennen, welche Beiträge von Ihren Followern oder einem werbenden Unternehmen stammen. Der kleine blaue Vogel schippert mit dieser Marschroute laut zwitschernd im Fahrwasser von Facebook – droht langfristig der Schiffbruch?

Social-Media-Overload: Gesponserte Beiträge nehmen Überhand. Bildquelle: Eigener Screenshot

Twitter-Feed 2016: Gesponserte Beiträge nehmen Überhand. Bildquelle: Eigener Screenshot

Passend dazu hat auch Snapchat angekündigt, sich stärker der Werbeindustrie zu öffnen. Künftig will die Hype-App Unternehmen ermöglichen, zwischen den Snapchat Storys im privaten Feed Werbung einzublenden. Das mag vielen Nutzern von Social Media nicht gefallen, letztlich ist den Plattformen aber im Grunde kein Vorwurf zu machen. Sie bieten ihre Dienste kostenlos an – davon profitieren Sie und alle anderen Nutzer. Natürlich müssen die jeweiligen Anbieter im Gegenzug rentable Finanzierungsmodelle etablieren.

Social Media: WhatsAppen statt Facebooken?

Doch wie und wo verbringen die User dann ihre Zeit? Schließlich nimmt die Social Media-Nutzung grundsätzlich weiter zu. Gerade bei den 18- bis 24-Jährigen haben die sozialen Netzwerke längst klassische Medien wie TV oder Zeitung überholt.

Klar ist: Immer mehr Nutzer verteilen ihre beschränkte Zeit auf mehrere Dienste. Ob der Konsum der wichtigsten News auf Twitter oder der neuen Kino-Trailer auf YouTube – die Menschen bewegen sich im Web auf den Plattformen, die ihnen die für sie interessanten Inhalte bieten. Gerade das Wachstum von Video-Portalen und Streaming-Diensten wie Netflix trägt zu dieser Entwicklung bei. Damit sinkt in der Konsequenz die Nutzungsdauer pro Dienst.

Social Media: Wie Facebook und Co. ihre Nutzer langweilen

Quo vadis Social Media? Bildquelle: pixabay

Die größten Gewinner der Entwicklung sind klassische Messenger Apps, die immer mehr Menschen an sich binden. Bei Anbietern wie WhatsApp, Facebook Messenger oder Viber tummeln sich mittlerweile 3 Milliarden Nutzer – Snapchat reiht sich hier mit stark wachsenden Zahlen ein.

In diesen – im Vergleich zu Facebook und Instagram – privateren Communities haben die Menschen offenbar durchaus Lust, persönliche Inhalte miteinander zu teilen. Genau wie bei Facebook verschicken Sie innerhalb dieser Apps Fotos und Videos oder bilden Chat-Gruppen, um Veranstaltungen zu planen oder Urlaubserlebnisse zu teilen.

Dank Ende-zu-Ende-Verschlüsselung fühlen sich die Nutzer in ihrer Kommunikation zudem geschützt vor Datenklau. Wer braucht dann noch Facebook?

Nur hochwertige Inhalte zählen

Was bedeutet dieser Abwanderungstrend für werbende Unternehmen? Erreichen Sie Ihre Zielgruppe überhaupt noch über die sozialen Netzwerke? Ja – mit qualitativen Inhalten!

Produzieren Sie hochwertigen Content, denn nur gute Inhalte bekommen die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Optimieren Sie Ihre Social Media-Strategie und nutzen Sie beispielsweise auf Facebook alle Möglichkeiten, die Reichweite Ihrer Postings zu erhöhen. So steigern Sie langfristig auch die Verweildauer der Nutzer auf Ihren Inhalten.

Was meinen Sie: Nutzer verbringen immer weniger Zeit in sozialen Netzwerken – geht es Ihnen auch so? Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe dafür? Wir freuen uns auf Ihre Diskussionsbeiträge!

Bildquelle: © pixabay

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Christof Nikolai

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