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WhatsApp: Wer stürzt den König?

27. Oktober 2016

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WhatsApp ist immer noch Marktführer unter den Messenger-Diensten. Doch seit einiger Zeit wird Kritik daran laut, und das nicht nur aus Datenschutzgründen. Welche Alternativen bedrohen die Vorherrschaft des Messenger-Riesen? Wir zeigen, welche Anbieter WhatsApp vielleicht bald vom Thron stoßen.

Wieso brauchen wir Alternativen zu WhatsApp?

Für viele gehören Kommunikationsdienste wie WhatsApp zum Alltag dazu. Laut einer Bitkom-Umfrage nutzen 63 Prozent der „Onliner“ den beliebten WhatsApp-Messenger. Täglich verbringen Millionen Menschen 24 Minuten damit, digitale Botschaften mit ihren Freunden, Bekannten und Kollegen zu teilen. Die Altersgruppe der 14- bis 29-jährigen nutzt Messenger wie WhatsApp sogar stolze 72 Minuten pro Tag, wie aus dem aktuellen Media Activity Guide der Seven-One-Media hervorgeht.

Infografik: Diese Messenger nutzen die Deutschen | Statista

Seit einiger Zeit strömen immer mehr Konkurrenz-Produkte auf den Markt, die WhatsApp den Platz an der Messenger-Sonne streitig machen wollen. Das liegt zum einen daran, dass sich die konventionellen Kommunikationsdienste großer Konzerne wie Google Hangouts oder Apple iMessage nur mäßiger Beliebtheit erfreuen. Zum anderen wandern jüngere Online-Nutzer direkt zu populären Instant-Messaging-Diensten wie Snapchat ab.

Vor allem seitdem der Internet-Riese Facebook, zu dem auch WhatsApp gehört, beschlossen hat, die Nutzerdaten beider Plattformen zusammenzuführen, wächst die Kritik am Messenger-Marktführer. Experten wie der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Casper raten mittlerweile sogar offen von der WhatsApp-Nutzung ab. Seine Empfehlung:

Alle Nutzer von WhatsApp sollten ernsthaft prüfen, künftig eher eine der vielen alternativen Messengerdienste von Anbietern zu nutzen, die einen datenschutzfreundlichen Umgang mit Informationen ihrer Kunden praktizieren.

Nur, welchen Service? Hier sind drei potentielle Messenger-Alternativen zu WhatsApp:

1. Signal

Signal gibt es bereits seit Mai 2010. Die Messenger-App ist kostenlos für Android und iOS und basiert auf freier Software. Das Entwickler-Team von Open Whisper System rückt dabei die vertrauliche Internet-Kommunikation mit Einzelpersonen oder Gruppen in den Fokus: Der Messenger verschlüsselt komplette Textnachrichten, Fotos und Videos. Mit Signal lassen sich auch SMS und MMS verschicken, seit 2015 jedoch unverschlüsselt.

Mit der Verschlüsselungs-Technik werden die Daten der User geschützt, die App soll dabei jedoch genauso leicht zu bedienen sein wie herkömmliche Messenger-Dienste. Sogar US-Sicherheitsexperte und Whistleblower Edward Snowden lobte bei der SXSW 2014 die unkomplizierte App. Eine feste Telefonnummer brauchen Sie aber trotzdem.

Ein Kritikpunkt an Signal ist, dass dabei die Datenverbindung „Google Cloud Messaging“ genutzt wird. Durch die End-to-End-Verschlüsselung sollen zwar keine Sicherheitslücken entstehen, dort gespeicherte Metadaten können jedoch dennoch von Google ausgewertet werden. Letztlich handelt es sich bei Signal um eine sinnvolle Alternative zu WhatsApp, da Sie in puncto Verschlüsselung auf der sicheren Seite sind.

2. Threema

Ähnlich wie Signal funktioniert die Messenger-App „Threema“. Der Name leitet sich von der Abkürzung von End-to-End-Encrypting Messaging Application ab. Auch hier werden die Nachrichten komplett verschlüsselt. Nachrichten versenden Sie über den firmeneigenen Server der Schweizer Hersteller.

Wenn Sie Nachrichten verschicken, werden Sie nicht über Ihre Handynummer, sondern über eine zufällig erstellte, acht-stellige ID identifiziert. Sie brauchen nicht einmal eine eigene Telefonnummer, wenn Sie Threema nutzen. Die App ist für Android, iOS und Windows Phone verfügbar und kostet je nach Betriebssystem zwischen 1,99 und 3,00 Euro.

Da Threema genauso wie Signal Wert auf Transparenz legt, auf eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zurückgreift und bei der Kommunikation auch noch wenige Metadaten anfallen, ist der Service aus Datenschutzgründen eine willkommene Alternative zu WhatsApp. Allerdings ist die App nicht kostenlos.

IDM, we love content, Google Allo

Whats App Alternative: Google Allo © eigener Screenshhot

3. Google Allo

Brandneu ist der neue Google-Messenger namens Allo: Die App ist erst seit 21. September 2016 auf dem Markt. Das Besondere: Im Vergleich zum konventionellen Google Hangouts ist ein virtueller Assistent integriert. Er schlägt Ihnen automatische Antworten für Ihre Konversation vor. Wer Allo nutzen möchte, braucht dafür eine Telefonnummer. Die App ist sowohl im Google Play- als auch im App-Store erhältlich.

Angelehnt an Snapchat können Sie bei Allo auch beschriftete und bemalte Bilder versenden. Außerdem verschicken Sie über den Messenger mit integriertem Sprachassistent Nachrichten, GIFs, Links, Ihren Standort, Audio-Nachrichten und Videos.

Edward Snowden äußerte scharfe Kritik an Googles neuester Messenger-App: Da der integrierte Assistent den Chat-Verlauf mitliest, auswertet und durch das offene System auch an Dritte weitergegeben kann, sei Allo datenschutzmäßig sehr fragwürdig. Falls Sie Wert auf Datenschutz legen, sollten Sie Allo deshalb besser nicht benutzen.

Fazit:

Datenschutz wird zu einem immer wichtigeren Thema. Es ist genauso wichtig, dass es brauchbare Alternativen zum Messenger-Riesen WhatsApp gibt – egal, ob kostenlos oder nicht. Die neuen Services stecken allerdings noch in den Kinderschuhen, was die Begeisterung bei den Usern angeht. Welchen Dienst Sie wählen, darüber entscheidet letztendlich, welche Messenger-App Ihre Freunde und Bekannten verwenden. Denn zur Kommunikation gehören immer mindestens zwei.

Bildquellen: pixabay, https://de.wikipedia.org/wiki/Google_Allo#/media/File:A_Screenshot_of_Google_Allo_app.png (Allo)

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Felix Mildner

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