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RankBrain: 5 Antworten zum Google-Update

29. April 2016

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Panda, Pinguin, Hummingbird ­– Google hat den wichtigen Updates seines Suchalgorithmus bislang gerne Tiernamen gegeben. Seit November 2015 gibt es einen neuen Begriff in der SEO-Welt: RankBrain. Was genau ist das? Welche Auswirkungen hat es für Sie? Wir beantworten Ihnen die wichtigsten Fragen zu dem neuen Rankingfaktor.

Was genau ist RankBrain?

RankBrain ist die Bezeichnung für eine neue Erweiterung des Google-Suchalgorithmus. Damit reiht es sich in die Liste bekannter Namen von Google-Updates ein:

  • Panda: Websites mit schlechten, zu kurzen oder doppelten Inhalten wurden abgestraft.
  • Pinguin: Seiten mit gekauften Backlinks (also Links von außen, die auf die Seite verweisen) haben Sichtbarkeit bei Google verloren.
  • Hummingbird: Der gesamte Google-Algorithmus wurde auf sinnverstehende Suche umgestellt, so dass Google jetzt Fragen wie „Wie alt ist Angela Merkel“ direkt beantworten kann.
  • Mobile Friendly: Internetauftritte, die nicht für mobile Endgeräte wie Smartphones optimiert sind, verschwinden aus den mobilen Top-Suchergebnissen.

Diese Updates haben Mitarbeiter von Google entwickelt. Google Quality Rater bewerten die Internetseiten nach einem vorgegebenen Katalog und gleichen sie mit den Suchergebnissen des Algorithmus ab. Weichen die Ergebnisse ab, optimiert Google den Algorithmus weiter. Das passierte bislang häufig. Mit jedem Update versuchen die Entwickler von Google, Webseiten immer besser zu bewerten, damit die Nutzer schnell die richtige Antwort auf ihre Frage finden.

RankBrain ist aktuell das letzte große Update. Allerdings ohne Tiernamen, denn RankBrain ist anders.

Was macht RankBrain so besonders?

Tatsächlich ist RankBrain für Google sowie für die Nutzer eine echte Revolution: RankBrain ist ein selbstlernendes künstliches Gehirn. Ein neuronales Netz, das erkennt,

  • welche Seiten zu einem Suchbegriff tatsächlich geklickt werden,
  • wie lange Nutzer auf diesen Seiten bleiben,
  • und lernt, daraus die beste Sortierung der Suchergebnisse zu liefern.

In der Praxis bedeutet das: Ein Nutzer gibt eine Suchanfrage bei Google ein. Das neuronale Netz wirft aufgrund einmal festgelegter Regeln ein Suchergebnis aus. Dieses Ergebnis wird erst einmal vermutlich nicht gut sein. Der Nutzer klickt eventuell ein paar weitere Treffer an, geht aber immer wieder zurück zum Suchergebnis oder verändert seine Suchbegriffe. Aus diesem Verhalten folgert das neuronale Netz: Das war kein gutes Resultat.

Ein künstliches neuronales Netz erzeugt – sehr einfach gesprochen – aus einer Eingabe (dem Suchbegriff) eine Ausgabe (eine Suchergebnisseite). Innerhalb des Netzes befinden sich zahlreiche Knoten, Neuronen genannt, die miteinander verbunden sind und dafür sorgen, dass aus einem Input ein bestimmter Output erzeugt wird.

Betrachten wir alle Internetseiten als die Neuronen. Sie sind mehr oder weniger stark miteinander verknüpft. Gibt der Nutzer einen Suchbegriff ein, findet das Netz passende Neuronen, also Seiten, und spielt diese auf der Suchergebnisseite aus. Der Nutzer sendet positive Signale, er gibt also ein Feedback, indem er Seiten anklickt und dort länger bleibt. Verlässt er eine Website sehr schnell oder klickt gar nicht, sendet er negative Signale.

Diese Nutzersignale verarbeitet das neuronale Netz. Es gewichtet die Neuronen und die Verbindungen zwischen ihnen neu. Wie bei einem menschlichen Gehirn werden Verbindungen, die häufig genutzt oder positiv bewertet werden, verstärkt. Damit lernt RankBrain, welche die beste Sortierung ist. Und das Ganze ohne menschliche Eingriffe. RankBrain ist vollständig ergebnisorientiert, es gibt keine festen Regeln wie bei allen bisherigen Updates.

Sucht ein neuer Nutzer die gleichen Begriffe, erhält er bereits ein anderes, angepasstes Suchergebnis. Und so verbessert sich das System im Laufe der Zeit immer weiter, die Suchergebnisse treffen immer besser die Absicht der Nutzer – im Idealfall.

Ein neuronales Netz optimiert den Output, indem es zufällige oder berechnete Änderungen an den Neuronen vornimmt. Das geschieht, indem es neu gewichtet, Verbindungen zwischen Punkten geändert und Neuronen gelöscht oder hinzugefügt werden.

Eine vereinfachter Darstellung eines neuronalen Netzes

Eine vereinfachter Darstellung eines neuronalen Netzes

Mit den bisherigen Updates kommen Sie gut zurecht. Und was jetzt? 

Haben Sie sich bislang bereits mit SEO beschäftigt, wissen Sie, dass jedes einzelne Update eine klare Handlungsaufforderung geliefert hat, etwa:

  • Schreibe relevante und gute Inhalte, die einzigartig sind (Panda)
  • Baue keine unnatürlichen Links auf und lösche schlechte Verlinkungen auf Deine Seite (Pinguin)
  • Entwickle eine mobile Version Deiner Website (Mobile Friendly)

Bei RankBrain fehlt diese deutliche Anweisung: Dadurch, dass das selbstlernende Gehirn die Ergebnisse ständig anpasst, können Sie keine Liste abarbeiten und Ihre Seite systematisch für die Suchmaschine optimieren.

Ihr Job wird anspruchsvoller: Sorgen Sie stets dafür, dass Sie auf Ihrer Seite ausschließlich hervorragende und einzigartige Inhalte anbieten, die den Nutzern wirklich weiterhelfen. Die Signale, die Nutzer Ihrer Seite senden, werden positiv sein und Ihre Seite steigt in den Suchergebnissen nach oben.

Wie beeinflusst RankBrain das Verhalten der Seitenanbieter?

RankBrain hat große Vorteile für alle Beteiligten: Die Nutzer sind nun mit dafür verantwortlich, welche Seiten bei Google weiter oben stehen. Durch gutes Marketing und Brand Building können Sie Ihre Nutzer und damit das Ranking zu Ihren Gunsten beeinflussen.

Google spart sich viel Zeit und Ressourcen, da weniger Updates getestet und eingespielt werden müssen. Der Nutzer bestimmt ja jetzt selber, welches das richtige Suchergebnis ist. Und als Nutzer bekommen Sie das Ergebnis angezeigt, das den meisten anderen Menschen gefallen hat.

Welche Risiken birgt RankBrain?

In der Theorie verspricht RankBrain die perfekte Suchwelt. Immer steht das beste Ergebnis auf dem ersten Platz. Im Idealfall ist es diejenige Landingpage, die den meisten Menschen geholfen hat. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass es die Seite ist, die die Nutzer am besten unterhalten hat. Sie können damit rechnen, dass ein künstliches neuronales Netz zwar nutzlose, aber sehr oft geklickte Inhalte wie „Cat Content“ nach oben schiebt. Die süßen Kätzchen sind aber auch unwiderstehlich!

Gefährlicher als putzige Katzen ist aber etwas anderes: Wie ein kleines Kind lernt RankBrain durch Versuch und Feedback. Durch ein absichtlich falsches Feedback ist das neuronale Netz, so wie ein kleinen Kind, manipulierbar.

Stellen Sie sich eine Suchanfrage vor, die etwa 1.000-mal im Monat ausgeführt wird. 1.000 Nutzersignale jeden Monat, 1.000 Lernprozesse für das System. Wie viele „gefakte“ Suchanfragen sind nötig, um den Lernprozess aus dem Gleichgewicht zu bringen? Wie oft müsste ein bezahlter Nutzer auf ein Suchergebnis klicken, um diese Seite im neuronalen Netz und damit im Suchergebnis nach oben zu pushen? Wir werden es sehen.

Wie hoch die Manipulationsgefahr bei künstlicher Intelligenz ist, zeigte Microsoft erst vor kurzem mit Tay. Tay ist ein automatisches Chatprogramm (ein Chatbot), das anhand seiner Kommunikation mit der Umwelt lernt, was gute und richtige Aussagen sind. Das Ergebnis: Nach wenigen Tagen antwortete die Maschine rassistisch. Eine Gruppe von Internet-Nutzern hatte sich einen Spaß daraus gemacht, Tay gezielt mit entsprechenden Aussagen zu füttern.

Sätze von Tay wie “Bush did 9/11 and Hitler would have done a better job than the monkey we have now. Donald Trump is the only hope we’ve got.” hat Microsoft zwar mittlerweile gelöscht, es zeigt aber, dass derzeit noch jedes selbstlernende System beeinflussbar ist.

Fazit

RankBrain ist eine spannende Sache. Die künstliche Intelligenz birgt viele Chancen, aber auch so manche Risiken. Erstellen Sie einfach die besten Inhalte für Ihre Zielgruppe, dann machen Sie erst einmal alles richtig. Und wegen den möglichen Gefahren von RankBrain: Hoffentlich arbeiten bei Google in Zukunft nicht nur noch künstliche neuronale Netze, sondern weiterhin Menschen, die der Maschine ab und zu auf die Finger klopfen.

Bildquelle: © Pixabay

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